Alltag eines Obdachlosen: ,,Penner‘‘ gleich ,,Penner‘‘?

Viele Menschen wissen zwar um die schwierige Situation von Obdachlosen, haben allerdings eine relativ klischeehafte Vorstellung ihres Alltags: „Alkohol, Drogen, Betteln und „Schnorren“. Allerdings ist dies nicht die komplette Wahrheit. Natürlich trifft dies in einigen Fällen zu, doch meistens erweisen sich diese Überlegungen als zu übertrieben. Auch sind diese Annahmen den Obdachlosen gegenüber diskriminierend. Meistens gibt es von Seiten der Gesellschaft Vorurteile gegenüber Clochards, doch oftmals verschulden sie ihre Lage nicht selbst

Zu bestimmten Tageszeiten, wie zum Beispiel zur Mittagszeit, sieht man viele Heimatlose an belebten Orten wie Großstätten. Durch das Betteln hoffen sie auf ausgiebige Spenden. Meistens leben sie von diesen Spenden. Doch auch soziale Hilfsstellen, wie die Caritas oder Wohngemeinschaften, helfen ihnen. Viele von ihnen versuchen durch einen Nebenverdienst, wie durch das Sammeln von Flaschen oder das Verkaufen von Zeitungen, wie zum Beispiel den Straßenkreuzer (Obdachlosenzeitung aus Nürnberg), ihre finanzielle Lage aufzubessern.

Viele Obdachlose haben Schlafstörungen. Sie sind meist ständigem Lärm ausgesetzt. Sie übernachten unter Brücken, auf Parkbänken, an Bahnhöfen oder auch in abgelegenen Gassen. Zudem leiden einige unter ständigen Verfolgungsängsten, da sie häufig zum Opfer von kriminellen Handlungen werden, welche meist durch alkoholisierte Jugendliche oder andere Obdachlose verursacht werden.

Soziale Einrichtungen (beispielsweise von bestimmten Kirchen) bieten den Hilfsbedürftigen die Möglichkeit, Sanitäranlagen zu nutzen. Sie können sich dort waschen, Zähne putzen, bekommen Einwegrasierer zur Verfügung gestellt und können in manchen Fällen sogar duschen. Zudem gibt es ehrenamtliche Suppenküchen, die den Wohnungslosen gegen eine kleine Spende eine (warme) Mahlzeit zubereiten. Die Diakonien bieten günstige Kleidung und Alltagsgegenstände an.

Allerdings gibt es auch diejenigen, die keine spezielle Hilfe annehmen möchten. Sie haben sich freiwillig dafür entschieden, auf der Straße zu leben, oder sind auch so mit ihrer Situation zufrieden.

Die Gemeinschaft der Obdachlosen ist eine Gesellschaft mit eigenen Regeln. Sie schließen weniger Freundschaften, weil sie untereinander konkurrieren. Sie streiten sich oft um die besten Schlafplätze und manche von ihnen haben ihr eigenes ,,Revier‘‘. Es herrscht Konkurrenzkampf ums „Überleben“.

Zudem verbringen sie Zeit mit ihrem ,,Haustier‘‘. Diese Art von Menschen versucht, durch das Halten eines Tieres ihrer Einsamkeit zu bezwingen und sich die Zeit zu vertreiben. Es gibt ihnen neue Lebenskraft, Verantwortung für ein anderes Leben zu übernehmen.

Wegen ihrer Situation verfallen viele Obdachlose dem Drogenkonsum. Sie versuchen damit ihrem Alltag zu entfliehen, indem sie Ablenkung durch Rauschmittel suchen. Sie verwenden meist ihr ganzes Einkommen für ihre Sucht.

Viele der Klischees, welche die Gesellschaft gegenüber den Obdachlosen hat, treffen nicht immer zu. Es ist von Fall von zu Fall unterschiedlich, jedoch sieht der Alltag bei den meisten Wohnungslosen ähnlich aus: Übernachtungen an öffentlichen Orten, Betteln an belebten Orten, Rivalitätskämpfe untereinander, Beschaffung von Lebensmitteln durch Hilfsorganisationen. In Einzelfällen gibt es Menschen, die den Weg der Obdachlosigkeit freiwillig gewählt haben. Einige von ihnen geben sich jedoch Mühe, wieder in den Alltag zurückzufinden und dem Teufelskreis der Obdachlosigkeit zu entkommen.

 

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Warum werden Menschen obdachlos?

„Es ging schnell. Plötzlich stand ich da. Ohne Haus, ohne Familie, ohne Freunde und vor allem ohne Perspektive. Obwohl es mir ein paar Wochen vorher noch gut ging. Ich lebte mit meiner Freundin in einer schönen Wohnung, arbeitete als Dachdecker, hatte Freunde auf die ich mich verlassen konnte, dachte ich zumindest. Doch dann ging es ganz schnell. Mein Chef wurde wegen Steuerhinterziehung festgenommen, die Firma ging pleite, mit meiner Freundin hatte ich immer öfter Streit. An einem Tag im September setzte sie mich schließlich vor die Tür. „Sie könne mich ja nicht ewig versorgen“, meinte sie. Da stand ich nun. Nur mein Fahrrad, mein Rucksack und ich. Innerhalb weniger Wochen hatte ich alles verloren- ich war obdachlos geworden“, berichtet Simon in einem Interview mit der „Zeit“.

Wer in Deutschland auf der Straße lebt ist selbst schuld, denken viele Menschen. Schließlich gibt es ein soziales Netz. Dass es trotzdem fast jeden treffen kann, zeigt Simons Geschichte.

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Obdachlosenhilfe im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen

Sommer wie Winter sind Obdachlose den Launen der Natur ausgesetzt. Hunger und Krankheiten sind eine Folge dieser schrecklichen Umstände.

Obdachlosigkeit ist nach Angaben von BAG Wohnungshilfe e.V. für 350.000 Menschen, die in ihrem Leben keine Perspektive mehr sehen, in Deutschland Alltag. Obdachlose erhalten im Rahmen der Grundsicherung für Arbeitsuchende (§ 1 SGB II) bzw. Sozialhilfe, Hilfe zum Lebensunterhalt. Daneben besteht ein Anspruch auf alle notwendigen Maßnahmen, die geeignet sind, soziale Schwierigkeiten abzuwenden, zu beseitigen, zu mildern oder ihre Verschlimmerung zu verhindern. Aber welche öffentlichen Einrichtungen helfen diesen verarmten Menschen?

„Obdachlosenhilfe im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen“ weiterlesen

Obdachlosigkeit in Gunzenhausen

Exklusiv für unsere Zeitung „Himmeldach“ haben wir mit dem Leiter des Ordnungsamts unserer Stadt, Stefan Brändlein, am 19.11.2015 ein Interview über die Obdachlosigkeit in Gunzenhausen geführt.

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