Mein neues Leben in Tansania

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Geschrieben von:

Tim Mummert2

 

 

Über ein Jahr ist es nun her, seitdem meine Familie und ich die Koffer gepackt haben und für drei Jahre nach Tansania gezogen sind. Der Grund für diesen längeren Auslandsaufenthalt ist, dass meine Mutter sich für die Leitung eines Projekts bei der GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) beworben hatte und den Posten auch bekam.

Obwohl wir schon ca. ein halbes Jahr vor der Abreise wussten, was auf uns zukommt, war es doch die ganze Zeit über ein extrem unrealistischer Gedanke, dass ich mein Abitur sieben tausend Kilometer weit weg in Ostafrika machen werde. Als wir hier zu Beginn der deutschen Sommerferien ankamen, hatten mein Bruder und ich ungefähr noch eine Woche bis zum Schulanfang, am 9. August. Doch in der kurzen Zeit habe ich schon gemerkt, wie verschieden das Land im Vergleich zu Deutschland ist. Der erste Punkt wäre da schon gleich das Klima. Tansania befindet sich kurz unter dem Äquator, somit haben wir immer ein tropisch warmes Wetter. Dabei ist es im Juli/August am „kältesten“ mit nur 27-28° Grad, während des tansanischen Sommers (= deutscher Winter) jedoch schwitzen wir hier bei über 30° Grad Celsius und großer Schwüle. Unterbrochen wird dies nur von der kleinen und der großen Regenzeit, was bedeutet, dass es immer wieder wie aus Kübeln schüttet. Im Grunde finde ich es eigentlich ganz schön, wenn nicht ständig das Wetter umschlägt und es mal eine längere Zeit schön bleibt, aber ich persönlich habe das Gefühl, dass die Zeit viel zu schnell vergeht, da es kaum eine Abwechslung gibt.

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Zusätzlich zum Klima sind auch die Lebensumstände sehr anders als in Deutschland. Man sollte kein Wasser aus der Leitung trinken, auch nicht um den Mund nach dem Zähneputzen auszuspülen, und kurze oder längere Stromausfälle gehören zum Alltag dazu. Letzteres ist aber nicht wirklich ein Problem, da zu unserem Haus ein Diesel betriebener Stromgenerator gehört. Auch wegen kleinen Tieren muss man aufpassen, was bedeutet nicht einfach in dunkle Ecken zu greifen, sich wegen Malaria abends gegen Mücken einzusprühen und aufzupassen, dass man im Dunkeln im Garten nicht auf Schlangen tritt. Gesehen haben wir allerdings noch gar keine.

 

Für uns war der erste Monat besonders schwer, da wir uns erst an die neue Umgebung gewöhnen mussten. Damit ist unter anderem auch die Beziehung zwischen den Afrikanern und uns Weißen (Mzungu in Kisuaheli) gemeint. Als „Mzungu“ gelten wir grundsätzlich als reich, was wir ja auch im Verhältnis zu den Tansaniern sind. Als ich zum ersten Mal spazieren ging, wurde ich plötzlich von einem Jungem angesprochen, der meinte „This is Chester Street“ oder irgendetwas in der Art. Kurz darauf fragte er dann „Where is my money“, und das war ganz schön verwirrend. Ich sagte ihm schließlich, dass ich ihm kein Geld schulden würde und ging einfach. Aber auch bei anderen Spaziergängen hupten dann manchmal die Taxifahrer, hielten neben mir an und boten mir ihre Dienste an, aber das ist bis jetzt nur passiert, wenn ich allein unterwegs war. Richtig wohl gefühlt haben wir uns aber erst, als nach ein paar Wochen endlich der Container mit unseren Möbeln ankam. Es war fast wie Weihnachten, als wir endlich wieder unsere eigenen Sachen auspacken konnten.

 

Wie ich schon erwähnte fing am 9. August bereits die Schule an, und diese ist unterschiedlicher zu einer deutschen Schule, als sie nicht sein könnte.

Ich gehe hier in die International School of Tanganjika (IST). Es handelt sich um eine private Schule, deren Schulsystem sehr amerikanisch ausgerichtet ist.

Was mich hier wirklich sehr erstaunt hat, ist die Ausstattung dieser Schule. Während Deutschland sozusagen ein reiches Land ist, besitzt das SMG nur Kasten Computer, was vollkommen ausreicht. Es ist überraschend in eine Schule in Tansania zu gehen und überall nur Apple Computer zu sehen. Tatsächlich braucht jeder Schüler einen eigenen Laptop und verschiedene Accounts in verschieden Systemen. Das meiste läuft über Google, so hat jeder eine E-Mail-Adresse für die Schule. Mit diesem Google account arbeitet man dann auch mit Google Tools, wie google drive (Speicherdatei für documente), google doc (so etwas wie word), und so weiter. Der Vorteil von google docs ist, dass man es „teilen“ kann und somit zwei oder mehrere Personen Zugriff darauf haben. Der Nachteil ist man braucht Internet, um darauf zu arbeiten. Handys sind übrigens nicht verboten, man muss sie auch nicht ausschalten, nur auf lautlos haben und wenn der Lehrer den Eindruck hat, dass man nicht aufpasst, kann er einen verwarnen oder das Handy wegnehmen. Insgesamt funktioniert das sehr gut, die meisten verwenden hier Handy nur, um (nach der Erlaubnis der Lehrer) das Tafelbild abzufotografieren. Dies ist aber nicht allzu oft notwendig! Dazu haben wir nochmal zwei wichtige Programme, managebac und google classroom. Dort posten die Lehrer Schulaufgabentermine, laden Arbeitsblätter hoch und tragen die Noten auf den jeweiligen Schüleraccounts ein. Hier können wir auch unsere fertig geschriebenen Aufsätze hochladen. Die ganze Technik hat sehr viele Vorteile, wenn man z.B. noch einmal etwas nachlesen will, kann man dies von Zuhause erledigen oder bei Fragen kurz einen Lehrer anmailen. Es gibt jedoch auch Nachteile, so können Lehrer, wenn sie vergessen haben Hausaufgaben aufzugeben, einfach eine E-Mail an die Schüler schicken.

Aber nicht nur die Schulausstattung unterscheidet sich groß von der des SMG. Auch die Art der Notenerhebung und der Notengebung sind anders. Zum einem gibt es keine Exen, alle Noten zählen gleich. Es gibt nur 4 verschiedene Kriterien A, B, C und D, die abgefragt werden.

 

In einem Test wird dann entweder eines oder mehrere Kriterien verwendet und auf ein Kriterium kriegst du dann eine Note, wobei 1 Punkt die schlechteste und 8 Punkte die beste ist. Interessant ist auch die Notengebung, während in Deutschland der Durchschnitt zählt, dürfen hier die Lehrer selber entscheiden, welche Note sie dir geben. Das bedeutet nicht, dass sie einem Schüler einfach irgendeine Note geben dürfen. Nein, sie gucken sich alle Noten von dir an, sagen wir mal 6, 7, 5, 3, 6. Dann werden sie merken, dass du durchschnittlich ganz gut bist, abgesehen von dieser 3. Die Lehrer werden dann feststellen, was deine Fehler waren und ob du einfach nicht gelernt hast, oder der Test nur ein Ausrutscher war. Dabei werden sie deine anderen Tests vergleichen und dein sonstiges Verhalten mit einbeziehen. Je nachdem kannst du also immer noch eine 6 bekommen, obwohl der Durchschnitt 4,5 wäre.

Zu guter Letzt sind auch die Art der Schulaufgaben unterschiedlich zu denen des SMG. Während man in Deutschland vor dem Test lernt und diesen dann in 45 Minuten schreibt, sind die Schulaufgaben hier hauptsächlich Aufsätze, die aber zum großen Teil sehr viel mehr praktisch veranlagt sind. In Science (Chemie, Biologie und Physik) zum Beispiel haben wir momentan ein Kriterium B und C, was bedeutet, wir sollen eine Forschungsfrage und eine Hypothese zu verschiedenen chemischen Reaktionen formulieren und dann dazu einen Versuch planen und durchführen. Weitere Beispiele sind Mathematik, wo wir momentan ein Modell einer selbst entwickelten Brücke erstellen müssen (Parabeln). Ein anderes Beispiel ist das Fach IT (Im Grunde Informatik), wo wir eine Website oder eine App programmieren sollen. Auf Nachfrage darf ich sogar einen Computervirus programmieren, den ich aber natürlich keinem schicken darf.

 

Von dem Land Tansania an sich habe ich inzwischen auch schon einiges sehen können.

 

In den Oktoberferien waren wir als erstes auf Sansibar, das eine wirklich schöne Insel ist. Man kann dort super schnorcheln, die Unterwasserwelt ist einmalig. Interessant war auch auf jeden Fall die Besichtigung einer der vielen Gewürzfarmen. Man hat dort sehr viel über die Früchte und vor allem die Gewürze gelernt.

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In den Weihnachtsferien haben wir den Mikumi-Nationalpark Udzungwa Wasserfälle besucht. Von Antilopen bis zu Elefanten war alles dabei, nur Löwen haben wir leider keine mehr gesehen.

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Neben diesen Reisen mit meinen Eltern habe ich aber auch über die Schule viel vom Land erfahren können. Als freiwillige Schulaktivität wird von der Schule das „Duke of Edinburgh International Award“ Programm angeboten, bei dem man auch lernt, sich mit Karten zu orientieren, in der Natur zu campen und sich aus seinem Rucksack zu versorgen. Bei einer erfolgreichen Teilnahme erwirbt man das Silberabzeichen. Hierzu mussten wir zunächst einen dreitägigen Probelauf in den Pugu-Hills in der Nähe von Dar es Salaam absolvieren und schließlich eine dreitägige Tour in den Usambara-Bergen, dort wo auch die Usambara-Veilchen wachsen. Die Pugu Hills waren zwar recht interessant, jedoch hat es die ganze Zeit geregnet, sodass du nass wurdest, aber gleichzeitig extrem geschwitzt hast, weil es einfach nicht kälter wurde. Ein voller Erfolg waren jedoch die Usambara Berge, die sehr viel schöner waren. Es war eine eindrucksvolle Pflanzen- und Tierwelt und eine klasse Aussicht aus 1800 Metern Höhe.

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Doch die beste Hiking Tour war bis jetzt die von meiner Schule während der ESP Woche. ESP bedeutet „External School Program“ und ist im Grunde eine Klassenfahrt, die jedes Jahr von der 6 bis zur 12 Jahrgangsstufe stattfindet. Das Coole daran ist, dass wir uns aus mehreren Möglichkeiten eine aussuchen können. So wurden neben Hiking Touren auch ein Fotografie-Ausflug, Mountain Biking und noch einige andere Events angeboten. Ich hatte mich für die Wanderung in Ngorongoro angemeldet und es war wirklich einmalig. In diesem Gebiet waren früher sehr viele Vulkane, die sich dann bei einem Ausbruch selbst in die Luft gesprengt und kleinere und größere Krater hinterlassen haben. Dort sind wir dann also an einem Krater und einem immer noch aktiven Vulkan vorbei-gelaufen. Die Aussicht an allen drei Tagen war einfach nur unbeschreiblich. Von allem, was ich von Tansania inzwischen alles gesehen habe, war das bei weitem das Eindrucksvollste und Schönste.

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Natürlich vermissen wir einiges von Deutschland, hauptsächlich das gute Essen, das es nur in Deutschland zu kaufen gibt: Weißwurst, Currywurst, Brezen und einfach die große Auswahl an Fleisch und Backwaren bei den Metzgern und Bäckern. Jedes Mal, wenn meine Mutter wieder in Deutschland ist, geben wir ihr eine große Liste mit an Sachen, die sie unbedingt mitbringen soll. Was mir und meinem Bruder vor allem auf die Nerven geht, ist, dass man nicht rauskommt. In Deutschland konnte man jederzeit in den Wald gehen oder mit Freunden auf dem Fahrrad herumfahren. Das alles ist hier in Tansania und besonders in dessen größter Stadt natürlich nicht möglich, da es als Mzungo immer noch gefährlicher ist als in Deutschland. Man kann schon rausgehen, aber die ganze Zeit herumfahren ist nicht empfehlenswert und außerdem kann man sich Dar es Salaam nicht wirklich wie Nürnberg vorstellen, wo es eine Altstadt gibt und wo man Eis essen und shoppen gehen kann. Eine wirkliche Innenstadt gibt es hier nicht und die Straßen sind voller Schlaglöcher und ohne irgendwelche Verkehrsregeln, wie Geschwindigkeitsbegrenzungen o.Ä. Deswegen verbringt man nachmittags auch sehr viel Zeit in verschiedenen Nachmittags-AGs der Schule. Ich, zum Beispiel, habe dreimal in der Woche Schwimmen, einmal Jazz Ensemble und Konzert Band, dann das Jugendprogramm „The Duke of Edinburgh’s International Award“ und Tanzania Jenga.

 

Tansania ist ein faszinierendes Land mit vielen Wundern und doch auch mit einer erschreckenden Armut und nicht allzu schönen Fakten. Hier zu leben ist ein riesengroßer Unterschied zu dem, was ich in Deutschland kannte, auch die Umgangsformen mit den anderen Menschen. Ich sage nicht, dass es schlechter ist, ich sage auch nicht, dass es besser ist. Es eine interessante Lebensweise, bei der so viele unterschiedliche Kulturen, Herkünfte, Religionen und Glaubensrichtungen miteinander auskommen. Klar ist, dass ich bei meiner Rückkehr in knapp zweieinhalb Jahren noch viel mehr zu erzählen haben werde.

 

 

 

 

 

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