Gegen das Vergessen hilft nur die Erinnerung Gerd Berghofer mit den „Verbrannten Dichtern“ am SMG

 

„Wenn Bücher brennen, dann dauert es nicht mehr lange bis auch Menschen brennen“

Ein deutscher Autor ist in seinem Heimatland durch seine Bücher bekannt geworden. Das junge 20. Jahrhundert bricht an, die Nazis kommen an die Macht. Eine Zeit der Verbote und der Verfolgung bricht an. Die Bücher des Autors werden verboten, da sie nicht den nationalsozialistischen Werten entsprechen. Um nicht im KZ zu landen, flieht er nach Amerika. Der Sprache nicht mächtig kann er sich kaum ein neues Leben dort aufbauen. Am Tag arbeitet er in einer Fabrik, in der Nacht schreibt er. Das Ende des 2. Weltkriegs ist gekommen, froh kehrt er wieder in seine Heimat zurück und sucht seinen Verleger auf. Dieser ist aber im KZ umgekommen. Die jetzigen Verleger kennen ihn nicht, da seine Werke verbannt wurden und sie haben auch kein Interesse an ihm und Büchern eines Verfolgten. Aus Geldnot muss er sich eine einfache Arbeit suchen. Die Nazis haben ihr Ziel erreicht, sie haben seine Lebensgrundlage und seine Werke ausgelöscht.

Mit dieser Geschichte legte uns der freie Schriftsteller und Rezitator Gerd Berghofer dar, welche Auswirkungen die Bücherverbrennungen im Dritten Reich mit sich brachten. Wie jedes Jahr besuchte er die Schüler der 10. Klassen des Simon-Marius-Gymnasiums, um ihnen etwas über „Verbrannte Dichter“ zu erzählen. Was er, wie er sagt, nicht als seine Pflicht sieht, sondern was eine Leidenschaft von ihm ist.

Er begann mit einer Vorstellung seiner Person, um dann zum eigentlichen Thema überzuleiten, die Bücherverbrennungen während der Zeit des nationalsozialistischen Regimes, was aber nicht heißt, dass das Thema nicht auch brandaktuelle ist, denn immer noch werden in der Welt Bücher kritischer bzw. missliebiger Autoren verboten. Eine Information, die im Gedächtnis blieb, war, dass diese Aktionen nicht von ungebildeten Menschen durchgeführt wurden, sondern aus den Häusern der Bildung heraus initiiert wurden. Viele der Brandstifter waren Studenten. Anhand einer Geschichte verdeutlichte er die großen Auswirkungen dieser Verbote für die Autoren: Beraubung der Existenzgrundlage, Haft im KZ, Flucht bzw. Exil und sogar Freitod. Um den Ablauf der Bücherverbrennungen zu veranschaulichen, las er Feuersprüche von damals vor. In diesen zwei Schulstunden brachte er uns insgesamt sechs „verbrannte Dichter“ näher, indem er den Lebenslauf jedes einzelnen von ihnen erzählte und auch jeweils einen Auszug aus dessen Werk vortrug. Darunter befand sich auch Erich Kästner, der uns wohl bekannteste, dessen Werk „Kennst du das Land wo die Kanonen blüh´n“ er eindrucksvoll rezitierte. Wir erfuhren auch, dass er der einzige war, der bei der Verbrennung seiner Bücher „live“ dabei war. Auch Erich Mühsam, einer der führenden Köpfe der Münchner Räterepublik, wurde ausführlich besprochen und sein „Der Revoluzzer“ vorgetragen. Doch damals brannten nicht nur die Werke von männlichen Schriftstellern, sondern zum Beispiel auch die von Else Lasker-Schüler. Deren schillernde Persönlichkeit wie auch ihr Leben Berghofer anschaulich und voll Einfühlungsvermögen darbot. Seinen Vortrag beendete er mit dem Zitat „Wenn Bücher brennen, dann dauert es nicht mehr lange bis auch Menschen brennen“ von Heinrich Heine, das dieser bereits 1821 schrieb und das einen großen Eindruck bei den Schülern hinterließ. Bei der nachträglichen Besprechung im Unterricht, kamen wir zu dem Schluss, dass dieser Vortrag ein Gewinn für die Schüler ist und ihn auf alle Fälle auch künftigen Schüler hören sollten. Zum einen weil die packende Vortragsweise eine Abwechslung zum normalen Unterricht bietet und zum anderen weil das Thema es verdient. In einem Punkt waren sich alle einig: Diese Ereignisse sollen sich nie mehr wiederholen.

xL

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