Warum werden Menschen obdachlos?

„Es ging schnell. Plötzlich stand ich da. Ohne Haus, ohne Familie, ohne Freunde und vor allem ohne Perspektive. Obwohl es mir ein paar Wochen vorher noch gut ging. Ich lebte mit meiner Freundin in einer schönen Wohnung, arbeitete als Dachdecker, hatte Freunde auf die ich mich verlassen konnte, dachte ich zumindest. Doch dann ging es ganz schnell. Mein Chef wurde wegen Steuerhinterziehung festgenommen, die Firma ging pleite, mit meiner Freundin hatte ich immer öfter Streit. An einem Tag im September setzte sie mich schließlich vor die Tür. „Sie könne mich ja nicht ewig versorgen“, meinte sie. Da stand ich nun. Nur mein Fahrrad, mein Rucksack und ich. Innerhalb weniger Wochen hatte ich alles verloren- ich war obdachlos geworden“, berichtet Simon in einem Interview mit der „Zeit“.

Wer in Deutschland auf der Straße lebt ist selbst schuld, denken viele Menschen. Schließlich gibt es ein soziales Netz. Dass es trotzdem fast jeden treffen kann, zeigt Simons Geschichte.

Plötzlich obdachlos

Die Gründe für Obdachlosigkeit sind vielseitig. Obdachlosigkeit herrscht nicht nur im Ausland oder in armen Ländern, auch in Deutschland gibt es 284.000 Betroffene. Viele davon sind durch Schicksalsschläge auf die Straße gekommen. Bei einem Face-to-Face Interview von statista.com wurden 26.635 Leute ab 15 Jahren zu ihrem Schicksal befragt. Die Hälfte verlor ihren Job und fand daraufhin keine neue Anstellung. Weitere 48% der Bewohner leiden unter einer Alkohol- oder Drogenabhängigkeit, 44% gaben als Grund Überschuldung an. Auch Krankheiten oder Behinderungen sind Gründe. Auch spiegel.de führte eine Befragung von 232 Bewohnern einer Wohnungslosenhilfe im Raum München durch. Die Befragten waren ca. 48 Jahre alt und überwiegend männlich. Ein Großteil der Bewohner gab als Grund der Obdachlosigkeit Alkoholabhängigkeit oder Schizophrenie an. Bereits 16% haben schon versucht, Suizid zu begehen. 13% waren schon als Kind in psychischer Behandlung. Ein weiterer Weg in die Obdachlosigkeit beginnt mit der Entlassung aus der Justizvollzugsanstalt oder aus der Suchtbehandlung. Viele waren wegen Rückfälligkeit oder Unwilligkeit frühzeitig ausgewiesen worden. Ebenfalls führen soziale Probleme auf die Straße. Brände, Familienstreite oder Probleme in der Beziehung sind weitere Schicksalsgründe. Es kommt immer wieder vor, dass Deutsche, die einige Zeit im Ausland waren, keine neue Wohnung finden, wenn sie zurückkommen und so auf die Straße geraten. Auch wenn immer wieder von „finanzieller“ Obdachlosigkeit die Rede ist, können finanzielle Probleme eigentlich nicht zu Obdachlosigkeit führen. Deutschland ist ein Sozialstaat, der grundsätzlich die Kosten für die Unterkunft übernimmt. Neben Arbeitslosengeld I und Hartz IV gibt es auch noch die Sozialhilfe. Diese dient der Unterstützung aller, die keinen Anspruch auf andere finanzielle Unterstützung haben. Oftmals scheitert es jedoch an den formalen Angelegenheiten.

Simon hat den ersten Schritt zurück geschafft. Seit Mitte Januar hat er einen festen Platz in einer Unterkunft. Nun möchte er einer richtige Wohnung suchen und dann endlich einen Job finden.

 

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