Obdachlosigkeit in Gunzenhausen

Exklusiv für unsere Zeitung „Himmeldach“ haben wir mit dem Leiter des Ordnungsamts unserer Stadt, Stefan Brändlein, am 19.11.2015 ein Interview über die Obdachlosigkeit in Gunzenhausen geführt.

Schülerinnen und Schüler (S): „Herr Brändlein, wie viele Obdachlose wohnen im Heim in Gunzenhausen?“
Herr Brändlein: „Im Moment leben dort 6 Menschen, darunter 5 Männer und eine Frau.“

S.: „Seit wann gibt es die Obdachlosenunterkunft schon?“
Herr Brändlein: „Das Haus dient seit 2002 als Obdachlosenheim.“

S.: „Wie wird das Heim finanziert?“
Herr Brändlein: „Zum Großteil werden die Ausgaben durch Steuermittel finanziert, jedoch zahlt jeder Obdachlose eine monatliche Nutzungsentschädigung von ca. 50 Euro. Dieses wird durch die Träger der Sozialleistungen übernommen, allerdings reicht dies nicht für den Bauunterhalt, sondern dient lediglich den Verbrauchskosten.“

S.: „Gibt es eine Hausordnung oder eine Altersbeschränkung?“
Herr Brändlein:„Es gibt eine Hausordnung sowie eine Benutzungssatzung und Verhaltensregeln. Das Alter bei uns variiert von 18-66 Jahren, Kinder und Jugendliche kommen in Jugendheime. Derzeit ist unser jüngster Mitbewohner 43, der älteste 64 Jahre.“

S.: „Wie ist das Obdachlosenhaus ausgestattet?“
Herr Brändlein: Die Unterkunft bietet Platz für zwölf Personen in Einzelzimmern á 10m², ausgestattet mit einem Bettgestell (inklusive Bettwäsche), einem Waschbecken mit Kaltwasserleitung und einem Ölofen. Zusätzlich sind zwei Gemeinschaftsbäder vorhanden, welche von den Obdachlosen selbst gereinigt werden müssen.

S.: „Darf den Obdachlosen der Aufenthalt verweigert werden?“
Herr Brändlein: „Da jede Gemeinde verantwortlich für seine Obdachlosen ist, kann man lediglich eine Versetzung in ein anderes Heim veranlassen.“

S.: „Haben die Obdachlosen Familie?“
Herr Brändlein: „Ein Großteil hat Verwandte im Stadtgebiet von Gunzenhausen, aber sie wollen die Familie nicht belasten oder dürfen dort nicht wohnen.“

S.: „Wieso sind sie überhaupt obdachlos?“
Herr Brändlein: „Es gibt verschiedene Gründe. Wir haben einen freiwilligen Obdachlosen, aber auch Menschen, die ihre Wohnung und Arbeit verloren haben. Familienstreits oder Entlassungen aus der JVA können auch dazu führen.“

S.: „Werden Obdachlose ohne Versicherung auch behandelt?“
Herr Brändlein: „Soweit die Obdachlosen Sozialleistungen erhalten, sind sie auch gesetzlich krankenversichert. Soweit diese nicht beantragt wurden, besteht keine Krankenversicherung. In diesem Fall müssen die Kosten der Behandlung selbst übernommen werden. Notfallbehandlungen müssen jedoch durchgeführt werden.“

S.: „Eine letzte Frage noch: Wollen die Obdachlosen Arbeit finden? Und wenn ja, wird das Obdachlosenhaus als eigene Wohnung akzeptiert?“
Herr Brändlein: „Teils teils, Obdachlose, die sich mit der Situation nicht abfinden, wollen Arbeit finden, andere sind mit ihrer Lebenssituation zufrieden und versuchen dies nicht. Da jeder Obdachlose einen Briefkasten hat und im Melderegister aufgenommen ist, wird dies als Wohnung anerkannt.“

S.: „Wie bedanken uns ganz herzlich für Ihre Zeit! Durch das informative Interview konnten wir viel über Obdachlosigkeit in Gunzenhausen erfahren und die Entstehung von Obdachlosigkeit besser nachvollziehen.“

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